Montag, 20. Juli 2015

Zitat des Tages

Erfahrungen vererben sich nicht - jeder muss sie alleine machen.

(Kurt Tucholsky)

Mittwoch, 15. Juli 2015

Leseprobe aus meinem Buch: Zerstörerische Liebe



Huntington/ West Virginia (USA)
15 November 1996

Sie lag auf ihrem blutroten, weichen Velourteppich und starrte mit ihren Schokoaugen an die Decke. Nichtwissend was sie heute Abend unternehmen sollte. Es war ihr neunzehnter Geburtstag, doch Mary-Lou war er egal. Denn weder ihre Mutter noch ihre Großmutter interessierten sich großartig dafür. January, ihre Mutter arbeitete heute mal wieder bis in die tiefe Nacht um sie und ihre Grandma Jacky irgendwie durchzubringen und um das alte Haus von Grandma zu halten. Denn Greg, ihr Vater, auf den sie nicht mehr so gut zu sprechen war, als er sie und ihre Mutter vor sieben Jahren verlassen hat, er hatte längst eine neue Familie mit einer tollen jungen Frau und zwei Kindern. Eine typische Vorzeigevorstadtfamilie eben. Und natürlich lebten sie in dem Haus, indem sie mit ihrer Mutter zuvor gelebt hatten. Aber ihre Mutter war ja selbst schuld, fand Malou, wie sie von den anderen liebevoll genannt wurde. January musste ja rumhuren. Greg erwischte January als er etwas eher als üblich von der Arbeit nach Hause kam. Da lag sie mit irgendeinem schmierigen Kerl im Bett, wie sich später herausstellte war es Carl, der Filialleiter vom Singamarket um die Ecke gewesen, dort hatte ihre Mutter nämlich mal gearbeitet. Doch auch diesen Job verlor sie dann genauso wie Carl. Seitdem wechselte sie die Jobs wie Unterhosen ebenso wie ihre Liebhaber. Malou hasste das am meisten an ihrer Mutter. In der Nachbarschaft wusste jeder über die Familie Blackley Bescheid. Malou schämte sich ein wenig für ihre umtriebige Mutter. Aber nun hatte sie wenigstens ihren Mädchennamen wieder angenommen und somit hatten die Leute in der Schule  keine direkte Verbindung mehr zu ihr und ihrer Mutter. Grandma verbrachte den ganzen Tag damit Zeitung zu lesen und dabei schwarzen Kaffee zu trinken. Wenn ihr langweilig wurde machte sie den alten Fernseher an und schaute sich > Der Preis ist heiß < an oder ihre Lieblings Mysteryserie Akte X. Am Abend, vor dem schlafen gehen, schaute sie sich alte Fotoalben an. Sie betrachtete eines immer sehr lange. Wahrscheinlich war es das mit Mary-Lous Großvater, der vor ein paar Jahren unerwartet an Krebs starb. Malou hatte ein inniges Verhältnis zu ihrem Großvater, als ihr eigener Vater die Familie verließ, war Grandpa Jared ihr bester Freund und engster Vertrauter gewesen. Sein Tod riss ihr fast das Herz raus und sie konnte ihn bis heute nicht richtig verarbeiten. Malou lag immer noch auf dem weichen Teppich und starrte Löcher in die Decke. Ihre silberfarbenen und aufwendig verzierten Wurfmesser hatte sie stets neben sich in einem kleinen cremefarbenen Samtköfferchen liegen. Sie war eine gute Messerwerferin. Ihr liebstes Hobby war es diese in jede Wand, Tür oder Decke zu werfen. Das stumpfe Geräusch das die Messer machten wenn sie irgendwo eindrangen mochte sie am meisten. Der Gedanke, dass sie eines Tages ihrem Vater gehört hatten, stimmte sie etwas melancholisch. Greg war in den späten Siebzigern beim Zirkus >Romantikadiablo< der beste Messerwerfer weit und breit gewesen. Doch als er einmal fast einen Zuschauer beinahe und ausversehen, bei einer Messershow erstochen hatte, war er seinen Job los und so bekam Malou mit fünf Jahren die einzigartigen Messer geschenkt. Auch wenn ihre Mutter dagegen war wollte Malou das Messerwerfen erlernen. Plötzlich riss sie das schrillende Telefon aus ihren Gedanken. Sie schlüpfte hastig in ihre schweren schwarzen Boots und polterte die Treppe hinunter bis zur Küche. Malou schnappte sich den Hörer und rief außer Atem
>>Hallo? <<. Am anderen Ende der Leitung hörte sie ein leises knistern bis kurz darauf ihr eine bekannte und liebevoll klingende Stimme antwortete.
>>Hey Malou! Happy B. – Day. <<
Es war ihre beste Freundin Candice Sunny Summers.
>>Ach, Candy. Danke liebes. <<, sagte Malou schon fast traurig.
>>Ich habe eine kleine Überraschung für dich. Und zwar… <<, erzählte Candy.
Malou unterbrach sie. >>Du weißt doch, ich hasse Überraschungen. <<

Zitat des Tages

Oft verliert man das Gute, in dem man das Bessere sucht.

(Pietro Metastasio)